Die Flucht im Ballon aus der DDR
Die ehemalige DDR zu Zeiten des Regimes zu verlassen war nicht einfach. Viele versuchten es über einen Urlaub im Ostblock, nur wenigen gelang die Flucht. Die Grenze zu Westdeutschland war mit Minen, Selbstschussanlagen und Zäunen gesichert, die Ostsee wurde mit Patrouillenbooten kontrolliert. Es gab nur einen Ausweg: Die Flucht durch den Luftraum.
Die zwei Familien Strelzyk und Wetzel entschieden sich Ende 1978 dazu, mit dem Heißluftballon über die Grenze nach Westdeutschland zu flüchten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang dies schließlich auch im August 1979. Diese Ballonfahrt ging als spektakulärste Flucht aus der DDR in die Geschichtsbücher ein.
Dabei fing dieses Unterfangen mit mehreren Problemen an: Aufgrund der Mangelwirtschaft konnten die 850 Quadratmeter benötigten Stoffbahnen nur schwer und mühsam besorgt werden. Außerdem musste die Brenneranlage und geeignete Gasflaschen gefunden werden. So arbeitete man vor allem nachts am Ballon: Genährt wurde im Keller, die Brennertests wurden in dunklen Waldlichtungen durchgeführt.
Kurz vor dem ersten Startversuch sprang die Familie Wetzel aber ab, die Angst des Scheitens war zu groß. Am 3. Juli 1979 zogen Wolken von Nord nach Süd und man versuchte die spektakuläre Flucht im Ballon. Nachdem der Ballon gefüllt war, hob man mit drei Meter pro Sekunde ab und stieg schnell auf 1600 Meter. Doch man dachte nicht, dass man in die Wolken geraten würde: Der Ballon sog sich mit Wasser voll, wurde schwerer und fiel unplanmäßig schnell wieder runter. Man landete in einem Fichtenwald, war sich nicht sicher, ob man es geschafft hatte. Man hatte es nicht geschafft!
Einige Tage später fand die Volkspolizei die Ballonhülle und machte Jagd auf die Republikflüchtlinge. Es wurde verboten große Stoffbahnen zu verkaufen, die sich zum Ballonbau eignete, ebenfalls wurde registriert wer Gasbrenner inklusive Gasflaschen kaufte. Doch nun versuchte man schnell erneut einen Ballon zu bauen: Die Familie Wtzel schloß sich der Flucht erneut an und innerhalb einer Woche wurde eine neue fahrtüchtige Ballonhülle gebaut.
Mitte August gelang tatsächlich das Unmögliche: Beide Familien flüchteten zusammen mit 4 Erwachsenen und vier Kindern aus der DDR mit dem Ballon. Ein neues Leben begann in dem kleinen Städtchen Naila in Oberfranken. Es folgten zwei Filme: "Night Crossing" von Walt Disney und ein Film mit dem Namen "Mit dem Wind nach Westen".
Auch heute noch ist Ballonfahren in Thüringen und Nordbayern sehr beliebt. Denn solch eine Ballonfahrt wird man nie vergessen.